Karten und TicketsOper Boris Godunowin der Staatsoper Unter den Linden in Berlin
Erstfassung von 1869 Mussorgskis Oper, die im Wesentlichen auf das gleichnamige Schauspiel von Puschkin zurückgeht, stellt weniger die Titelfigur des Zaren als vielmehr das durch den Chor repräsentierte russische Volk in den Mittelpunkt. Darin mag auch ein Grund liegen, warum das zu Mussorgskis Lebzeiten noch heftig kritisierte Werk, das lange nur in musikalischen Bearbeitungen u. a. von Rimski-Korsakow gespielt wurde, letztlich doch als ein Schlüsselwerk der Russischen Opernliteratur ins Repertoire aufgenommen wurde und heute meist ganz selbstverständlich in einer der beiden ausschließlich auf Mussorgski zurückgehenden Fassungen gespielt wird. Die Produktion der Staatsoper Unter den Linden bietet Mussorgskis Erstfassung von 1869, die sich gegenüber der späteren Fassung (von 1872) bei ebenso zentraler Rolle des Volkes stärker auf die psycho-soziale Entwicklung des zwischen Schuldgefühlen und guten Absichten schwankenden und in politischen Intrigen letztlich ohnmächtig zugrunde gehenden Zaren Boris konzentriert. Dem russischen Regisseur Dmitri Tcherniakov, der bei »Boris Godunow« auch das Bühnenbild entwarf, ist eine Inszenierung gelungen, die Mussorgskis Oper kritisch auf heutige Verhältnisse zu beziehen versteht. Bei einem Werk, das in sich schon Fragen nach Geschichte und Geschichtsschreibung (nicht nur) Russlands aufwirft – etwa indem die Figur des Chronisten Pimen in der Oper selbst überhaupt erst die Überlieferung begründet, Boris sei nur durch den Mord am rechtmäßigen Zarensohn an die Macht gelangt – führt die Produktion von der konventionell im Historisch-Illustrativen verbleibenden Inszenierungstradition weg und lässt uns stattdessen das Werk auf heutige politische wie soziale Verhältnisse beziehen, um dabei auch unsere aktuellen Bilder vom »neuen Russland« zu überdenken. Handlung der Oper Boris GodunowDie Titelfigur, der Zar Boris Godunow, der in unruhigen Zeiten die Herrschaft über das russische Reich übernimmt, hat große Schuld auf sich geladen – er hat den Thronfolger Dmitrij ermorden lassen. Sechs Jahre herrscht er unangefochten, doch trotz seiner ehrlichen Anstrengungen, die Lage des hungernden Volkes zu verbessern, liebt dieses ihn nicht. Zudem quält ihn sein Gewissen, was seine Gegner ausnutzen: Boris Godunow wird psychologisch unter Druck gesetzt, in den Wahnsinn und schließlich in den Tod getrieben. |
||